Die Evolutionstheorie ist DIE zentrale Theorie der Biologie und sie ist untrennbar verknüpft mit dem Namen Charles Darwin. In das Jahr 2009 fällt ein doppeltes Jubiläum: der 200. Geburtstag von Charles Darwin und der 150. Jahrestag der Erstveröffentlichung seines bahnbrechenden Werkes „Die Entstehung der Arten“, das die moderne Evolutionstheorie begründet hat. Das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart nimmt dieses Doppeljubiläum und die faszinierende Forscherpersönlichkeit Darwins zum Anlass, um in einer großen Sonderausstellung „Der Fluss des Lebens – 150 Jahre Evolutionstheorie“ die Bedeutung der Evolutionstheorie zu reflektieren und den heutigen Stand der Wissenschaft an ausgewählten Beispielen aus der aktuellen Evolutionsforschung darzustellen.
Die halbjährige Sonderausstellung wird vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart in enger Zusammenarbeit mit den Universitäten Hohenheim und Stuttgart sowie dem Stuttgarter zoologisch-botanischen Garten Wilhelma realisiert.
Finanziell gefördert wird das Projekt von der VolkswagenStiftung im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Evolution heute“ sowie vom Sparkassenverband Baden-Württemberg.
Die Ausstellung führt dem Besucher zunächst die Vielfalt und die Komplexität in der Natur vor Augen und stellt traditionelle Erklärungsversuche in Form unterschiedlicher Schöpfungsmythen der Völker vor. Danach tritt man aus dem „Dunkel der Mythen“ in die große Säulenhalle des Schlosses Rosenstein ein und steht unvermittelt vor dem optischen Mittelpunkt und Highlight der Ausstellung: Ein originalgroßer und begehbarer Nachbau des Segel- und Forschungsschiffes Darwins, der „HMS Beagle“. Die Weltreise und das Werk von Charles Darwin sowie sein historisches Umfeld markieren den Anfang einer umfassenden Auseinandersetzung mit der Geschichte der Evolutionstheorie - von den ersten Anfängen bis zur High-Tech-Forschung in Genlabors heute. Besonders gewürdigt wird auch der „deutsche Darwin“ Prof. Willi Hennig, der am Stuttgarter Museum für Naturkunde gewirkt hat. Den Schwerpunkt der Ausstellung bilden allerdings Erkenntnisse der aktuellen Evolutionsforschung, auch und gerade von Forschern aus Baden-Württemberg. Dabei werden auch konkrete Nutzanwendungen der Evolutionsforschung vorgestellt. Weltweit einzigartige, lebensgetreue Modelle von ausgestorben Organismen werden der Übergang vom „Fisch“ zum vierfüßigen Landtier veranschaulichen. Interaktive Multimedia-Stationen sollen insbesondere jugendliche Besucher ansprechen und laden zum Mitmachen ein.
Die Evolutionstheorie ist auch heute, 150 Jahre nach Darwin, noch in manchen Kreisen ein kontrovers diskutiertes Thema, das viele Menschen bewegt, wie kaum ein anderer Bereich der Naturwissenschaften. Gerade deshalb setzt sich die Ausstellung auch mit den gesellschaftlichen Konsequenzen des „Darwinismus“ und mit den aktuellen Diskussionen um Kreationismus und Intelligent Design auseinander.
Ergänzt wird die Ausstellung zusätzlich durch speziell arrangierte Evolutionsrundgänge im angrenzenden zoologisch-botanischen Garten, der Stuttgarter Wilhelma.
In den zwei Wochen vor Ausstellungseröffnung wird von den beteiligten Universitäten Stuttgart und Stuttgart Hohenheim eine Summer School zum Thema Evolutionsbiologie angeboten werden. Zu Beginn der Ausstellung findet ein dreitägiges Willi-Hennig-Symposium mit öffentlichem Vortragsprogramm zum Themenbereich Evolution statt, zu dem bekannte Spitzenwissenschaftler aus dem In- und Ausland als Referenten eingeladen werden.
Im Rahmenprogramm zur Ausstellung „Der Fluss des Lebens – 150 Jahre Evolutionstheorie“ sind regelmäßige Führungen und Vorträge vorgesehen. Am 150. Jahrestag der Erstveröffentlichung von Darwins Hauptwerk und an Darwins Geburtstag werden besondere Aktionstage und Museumsfeste stattfinden. Zusätzliche besondere Angebote für Lehrer, Schüler und Studenten begleiten die Ausstellung.
EU-Projekt EUvolution:
Im Vorfeld der Ausstellung organisiert das Naturkundemuseum Stuttgart in Kooperation mit Partnern aus Österreich, Tschechien und Großbritannien ein von der Europäischen Gemeinschaft gefördertes Projekt namens EUvolution. Gegenstand ist ein europaweiter Wettbewerb für Schüler und Studenten zum Thema „Europa in 100 Millionen Jahren“, dessen Gewinner im Mai/Juni 2009 zu einem Evolutions-Camp nach Stuttgart eingeladen werden.
Begleitheft zur Ausstellung:
Zur Ausstellung erschien im Februar 2009 ein populärwissenschaftlicher Sonderband der Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde Serie C (Wissen für alle) mit dem Titel "Evolution - Der Fluss des Lebens" mit 197 Seiten zum Preis von 12,- €.
(Link zur Bezugsquelle: http://www.naturkundemuseum-bw.de/stuttgart/schriften/stuttgarterbeitraege/c.html).
Die Sonderausstellung „Der Fluss des Lebens – 150 Jahre Evolutionstheorie“ wird im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart - Schloss Rosenstein gezeigt, ergänzt durch besondere Führungen durch die benachbarte Stuttgarter Wilhelma.
Dieser Ausstellungsort bietet für das Thema der Ausstellung ein ganz besonderes Arrangement. Im Schloss Rosenstein kann ein Teil der Dauerausstellung (Evolutionssaal) direkt in die Sonderausstellung einbezogen werden. Die beiden thematisch eng verwandten Dauerausstellungen in den zwei Häusern des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart (Fossilien und Erdgeschichte im Museum am Löwentor, sowie heutige Flora und Fauna im Schloss Rosenstein), die durch den Rosensteinpark mit dem unmittelbar angrenzenden zoologisch-botanischen Garten Wilhelma verbunden sind, bieten eine ideale und weltweit einzigartige räumliche und gedankliche Kombination.